50.000 und ein Hamburger setzen ein Zeichen für Umweltschutz

Die größte Demonstration für den Kohleausstieg im Hambacher Wald.

Gestern kam es im Braunkohleabbaugebiet Hambach zu einer einmaligen Kundgebung mit 50.000 Menschen. Die Tage zuvor waren geprägt von Gerichtsentscheidungen. So wurde die Demonstration aus Sicherheitsgründen von der Polizei abgesagt, was später durch ein Eilverfahren aufgehoben wurde. Und die größte Überraschung gab es am 5. Oktober. Das Oberverwaltungsgericht Münster verhängte einen Rodungsstopp im Hambacher Forst. Und wieso kam es zum Rodungsstopp? Es geht um die Frage ob die kleine Bechsteinfledermaus den Status eines „FFH-Gebietes“ begründet. Der BUND streitet seit Jahren für diesen Status.
Erläuterung FFH-Gebiet:

FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitaten) dienen, die in mehreren Anhängen zur FFH-Richtlinie aufgelistet sind. FFH-Gebiete sind ein Teil des Natura-2000-Netzwerkes. (Wikipedia)

Jedoch war dieses Gerichtsurteil eine große Überraschung und hat für den Wald und RWE gewaltige Konsequenzen. RWE wird deshalb weitere rechtliche Schritte einleiten, rechnet jedoch selbst nicht mehr mit einer Rodung vor 2020 (siehe hier). D.h. der Natur-, Umwelt- und Klimaschutz hat einen Sieg errungen. Die RWE-Aktie hat dadurch (wieder) an Wert verloren. Danke Bechsteinfledermaus. Aber der Fledermaus geht es nicht gut, denn vom Hambacher Wald (in den Medien oftmals Hambacher Forst genannt) ist bis auf 200 Hektar zusammengeschrumpft. Um ein Zeichen für den Erhalt dieses kleinen Waldstücks zu setzen, sind aus ganz Deutschland Menschen vor dem „Hambi“ zusammengekommen. Aus Hamburg fuhren vier Busse, organisiert um BUND-Hamburg. Die Abfahrt war um 4:30 Uhr! Ich war dabei und möchte euch Bilder von den Ereignissen zeigen.

Bild: Windräder im Sonnenaufgang
Bild: Windräder im Sonnenaufgang

Das Schöne wenn man so früh aufsteht: Ein wunderbarer Sonnenaufgang vom Autobus aufgenommen. Ein schönes Symbolbild für den Wandel in der Energiepolitik. Sicherlich ist Windkraft nicht das Allheilmittel, aber ein wichtiger Mosaikstein. Nur die Kohlekraft gehört nicht in den Energiemix im 21. Jahrhundert.

Die „Demo-Delegation“ aus Hamburg:

Bild: Demonstranten gehen an Bussen vorbei
Bild: Demonstranten gehen an Bussen vorbei

Die Frage die uns beschäftigt war ob wir überhaupt zum Kundgebungsgelände kommen. Unser Zeitfenster war sehr kurz, da wir wieder um 16:15 Uhr nach Hamburg fahren wollten. Vor Ort war das befürchtete Chaos jedoch geringer als befürchtet. Die Polizei lies Busse nach Manheim durch. Das die Veranstaltung gut besucht werden würde war klar. Denn die Stimmung ist in breiten Bevölkerungsteilen pro Hambacher Wald gekippt. Die Masse an Bussen war gewaltig, eine kilometerlange Schlange von Transportfahrzeugen. Aus ganz Deutschland kamen Demonstrationsteilnehmer. Von Freiburg bis Kiel – alle für einen absehbaren Ausstieg aus der Kohleenergie. Trotzdem war es noch ein langer Marsch bis zur Kundgebungswiese. Nebenbei waren auch andere logistische Themen zu klären: Wo kann ein Toilettengang bestritten werden. Im Bus war nur eine „Nottoilette“. Und im Wald? 50.000 Menschen? – Hier haben die Organisatoren einen tollen Job gemacht. So gab es an vielen Stellen mobile Toilettenhäuschen.

Am Demo-Tag herrsche Traumwetter. Aufgrund der zahlreichen Äcker und des Windes, hatte man das Gefühl in der Wüste zu sein. Meine Kamera hatte unter der Sandstaubelastung zu leiden. Hier Bilder vom Demogelände:

Das Camp der Waldbesetzer

Eine nicht unumstrittene Rolle haben die Baumbesetzer. Wobei ohne ihr Beharren wäre der Wald heute sicherlich nicht mehr existent. Hier das „Basislager“:

Der Hambacher Forst/Wald

Und um dieses Stück Natur geht es: Der Hambacher Wald. Vor der Rodung im Zuge des Braunkohletagebaus Hambach, erstreckte sich der Forst zwischen Elsdorf und Niederzier, je zur Hälfte im Kreis Düren und im Rhein-Erft-Kreis, auf mehr als 4000 Hektar. (Quelle: Wikipedia) – Heute sind es nur noch 200 Hektar! Und die Dörfer rundherum sollen noch platt gemacht werden!

Video: Super Stimmung bei der Demo

Wo ist die Polizei?

Die Polizeikräfte waren nur am Rande zu sehen. Die Wochen davor gab es heftigen Gewalteinsatz der Polizei. Nach den Gerichtsurteilen scheint die Polizeiführung auf Deeskalation zu setzen (sehr gut).

Wieder zurück nach Hamburg

Um 15 Uhr musste ich wieder zurück zum Bus marschieren. Das imposante Bild beim Rückweg, noch immer strömten Menschenmassen zum Demonstrationsgelände. Unglaublich wie viele Menschen für den Wald kamen. Alle Generationen und Gesellschaftsschichten. Und die Formen des Protests: Kreativ, witzig, inspirierend.

Fazit:

Es war ein sehr anstrengender Tag (erst um 00:00 Uhr kamen wir am Hauptbahnhof in Hamburg an). Danke an die Top-Organisation des BUND Hamburg. Für mich war es wichtig ein Zeichen zu setzen und meinen Kindern eine Zukunft mit sauberer Luft zu ermöglichen. Hoffentlich wird der Ausstieg aus der Kohlverstromung endlich konkret. Für mich war es auch die erste Umweltdemonstration in meinem Leben. Ab und zu muss man ein Zeichen setzen 😉

Wo liegt der Hambacher Forst?

Weiterführende Links:

Informationen vom BUND zum Hambacher Wald
Webseite der Aktivisten für den Erhalt des Hamburger Waldes
Infos und Hintergründe auf der Greenpeace Deutschland Seite

 

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